Die Bedeutung des Waldes

Mit einem Anteil von 39 Prozent an der Landesfläche  ist  Baden-Württemberg ein waldreiches Bundesland (der Bundesdurchschnitt  liegt bei 29 Prozent). Dicht bewaldete Mittelgebirgslagen des Schwarzwaldes, des Schwäbisch-Fränkischen Waldes und des Odenwaldes stehen waldärmeren Gebieten der Oberrheinebene und des Mittleren Neckarraumes gegenüber.

Der Wald prägt den landschaftsräumlichen Charakter Baden-Württembergs ganz wesentlich und macht unser Land zu einem einzigartigen Lebens-, Erholungs- und Bewegungsraum. Gleichzeitig stellt der Wald nach wie vor einen bedeutenden Wirtschaftsfaktor dar.

Ein Ziel im Unterricht kann die Vermittlung dieses Spannungsfeldes sein. Die Schüler erfahren im Wald ihre Umwelt bewusst, lernen ökologische Zusammenhänge kennen und können in diesem noch einigermaßen intakten Ökosystem langfristige Entwicklungen beispielhaft und begreifbar erfahren.

Die Ansprüche an den Wald haben sich im Lauf der Jahrhunderte stark verändert. Zunächst war er Sammel- und Jagdgebiet, dann Weide- und Rodungsland. Später bestimmte der wachsende Bedarf an Holz seine Bedeutung für die Gesellschaft. Vor rund 200 Jahren wurde aus diesem Grund die Nachhaltigkeit zum forstlichen Grundsatz erhoben, d.h. es darf nur so viel  Holz genutzt werden wie auch wieder nachwächst.

Durch die Zunahme der Besiedlung, durch steigende Umweltbelastungen und den wachsenden Erholungsbedarf hat der Wald heute eine Anzahl anderer und weiterer Funktionen zu erfüllen als früher.

Die Waldgesetze des Bundes und der Länder teilen die Leistungen des Waldes in drei Hauptkategorien ein:

  • Die Nutzfunktion umfasst die Bereitstellung des Rohstoffes Holz, sichert das Einkommen des Waldbesitzers und schafft Arbeitsplätze.
  • Die Schutzfunktionen reichen vom Bodenschutz (Verhinderung von Erosion) über den Wasser-, Klima-, Lärm- und Lawinenschutz bis zum Schutz der Lebensräume für Flora und Fauna.
  • Schließlich leisten die Wälder einen wichtigen Beitrag zur Gesundheit, zur Erholung und zum Freizeiterlebnis der Bevölkerung: Erholungsfunktion.

Diese unterschiedlichen Funktionen müssen die Wälder in der Regel auf ein und derselben Waldfläche erbringen. Eine grundsätzliche Trennung in reine Nutzwälder und separate geschützte Waldflächen ist in unserem dicht besiedelten Land nicht möglich und aus ökologischen Erwägungen auch nicht sinnvoll.

Das Ökosystem Wald ist also viel mehr als die Summe seiner Bäume. Es ist ein geschlossenes System mit starken Abhängigkeiten und Wechselwirkungen. Es wird nicht nur geprägt von Bäumen und Sträuchern, sondern auch von vielen anderen Pflanzen wie Pilzen, Moosen, Flechten, Farnen und Blütenpflanzen. Ein breites Spektrum an Tierarten wie Insekten, Vögeln, Amphibien, Reptilien und Säugetieren ist hier heimisch.

Nicht zuletzt wegen dieser zentralen Bedeutung für "Umwelt und Entwicklung", dem zentralen Thema der Konferenz von Rio (1992), steht der Wald heute auf der Tagesordnung der Weltpolitik. Der Schutz der natürlichen Lebensgrundlagen, ein langfristiger Ressourcen- und Artenschutz, die Eindämmung von Klimaveränderungen sowie das Vermeiden von Luft-, Wasser- und Bodenverunreinigungen werden in vielen Ländern als gleichrangige Ziele neben der technischen und wirtschaftlichen Entwicklung betrachtet.