Der Schwerpunkt „Wald erkunden“

Boden

Bodentiere
Bodentiere  lassen sich auf zwei Arten recht einfach einfangen (z.B. für Bestimmungsübungen usw.). Sie sind behutsam zu behandeln und nach der Übung wieder freizulassen.

Berlese-Apparat
Untersuchung von Tieren der Laubstreu- und obersten Bodenschicht. Bestimmung, makro- bzw. mikroskopische Untersuchung.

  1. Trichter mit Drahtgeflecht und Bodenprobe / Streu
  2. Karton (zum Abdunkeln; viele Streubewohner wollen dem Licht entfliehen)
  3. Ein oder zwei große Blätter sowie ein feuchtes Filterpapier am Boden des Gefäßes verhindern, dass die Tiere vertrocknen. Kontrollieren!

 

Achtung! Dieser Versuch wird oft beschrieben mit Alkohol im Fanggefäß. Dieser tötet die Tiere. Also: Alkohol weglassen und dafür in kurzen Zeitabschnitten das Fangergebnis kontrollieren.
 
 
Exhauster („Bodenstaubsauger“). Kann selbst gebaut werden (Kunststoffdosen von Kleinbildfilmen, möglichst durchscheinend) oder über die LEU (Landesinstitut für Erziehung und Unterricht) bezogen werden.

 

Prinzip eines einfachen Exhausters zum schonenden Aufsammeln von kleinen Bodenlebewesen: eine Dose von einem Kleinbildfilm, Deckel doppelt durchbohrt, zwei Schläuche (bei einem wird ein Ende mit Gaze „verschlossen“, damit keine Tiere in den Mund gelangen können), ein Mundstück.

Anmerkung: gute Vorlage zur Bestimmung von Tieren der Streu- und Bodenschicht in „Unterricht Biologie“ 57/1981

  • Töten von Tieren auch nicht von Schülern dulden.
  • Keine Tiere vor den Schülern abtöten.
  • Alle gefangenen Tiere nach dem Beobachten wieder ins Freiland aussetzen!
     

Bodenpflanzen

Das „Waldbodenfenster“ eignet sich gut zur Beobachtung der Streu- und der Krautschicht. Ein Plakat mit gepressten Pflanzen oder Blättern zu gestalten ist für die Schüler immer wieder schön. Nebenher lässt sich einiges an Wissen über die verwendeten Pflanzen unterbringen.

 
Zersetzungsprozesse
 
Eine Variante für den Einstieg: Die Gruppe sitzt im Kreis (hat sich evtl. vorher ein „Waldsofa“ gebaut), die Augen sind verbunden. Der Lehrer hat eine Reihe von Behältnissen (z.B. Schüsseln) mit unterschiedlichen Zersetzungsstadien der Laubstreu vorbereitet (vom frischen Laub bis zum humosen Boden) und gibt diese jetzt der Reihe nach herum. Alles wird mit den Händen ertastet (auch Feuchtigkeitsgehalt) und evtl. auch daran gerochen. Diese sensorische Überprüfung erspart später viele Erklärungen.

 

 

Bäume

Artenkenntnis: Einstieg über das Ertasten der Borkenstruktur oder über eine Frottage der Borke. Eine Frottage ist ein Abriebbild. Benötigtes Material: Papier und Kohle- oder Wachsmalstifte.

 

 

Hinweis: Die Ergebnisse erscheinen „plastischer“, wenn die Stifte mit nur wenig Druck und in flachem Winkel zur Borke geführt werden.

Ein weiterer Einstieg in die Artenkenntnis über ein Tastspiel:
Der Lehrer hat von etwa fünf Baumarten Blätter dabei. Die Gruppe bildet einen Kreis, die Teilnehmer schauen zur Mitte und halten eine Hand auf den Rücken. In diese legt der Lehrer jeweils ein Blatt (nicht „spicken“!). Sind die Blätter verteilt, tastet jeder sein Blatt (Oberfläche, Blattrand, Größe...) ab. Wer meint, ein Blatt eines ihm bekannten Baumes ertastet zu haben, meldet sich. Er beschreibt nun für alle sein Blatt, ohne dieses zu zeigen und ohne den Namen der Baumart zu nennen. Wer aus der Beschreibung sein Blatt zu erkennen glaubt, legt es in die Kreismitte. Jetzt stellt sich heraus

a)  wie gut die Beschreibung des Blattes war, bzw. wie gut getastet wurde
b)  wie die Baumart heißt. Da sich die Konzentration jetzt nur auf eine Baumart richtet , wird das so erworbene Wissen recht gut gespeichert.
Jetzt geht es mit der nächsten Blattsorte in der geschilderten Art weiter.

Baumfunktionen:
Spielerisch:  Die verschiedenen Teile und Funktionen eines Baumes werden durch die Mitspieler „aufgebaut und dargestellt“. Je nach Fantasie und Spielbegabung lassen sich so „eindrucksvolle Werke“ gestalten: das Kernholz ist ein starker, kräftiger Teilnehmer,  er steht in der Mitte. Um ihn gruppieren sich einige Mitspieler als Splintholz. Auf dem Boden finden wir die Darsteller der Wurzeln und Feinwurzeln usw. Sind alle „Teile“ vorhanden, erfolgt ein „Funktionstest“:  Die  Feinwurzeln nehmen (schlürfend) Wasser und Nährsalze auf, das wird anschließend (mit entsprechenden Bewegungen der Arme) den Stamm „hinaufgepumpt“...
Die Anweisungen für den Aufbau und das Ausführen  der Funktionen muss der Lehrer übernehmen.
Die Funktionen der Baumteile sollten den Schülern schon vor dem Spiel annähernd bekannt sein oder sie werden beim Spielen erklärt.
Varianten:
„Es geht ein starker Wind ...“
„Borkenkäferbefall ...“

Abhören des aufsteigenden Safts in den Stämmen im Frühjahr:
An Bäumen mit relativ glatter Borke (z.B. Rotbuche) können die „Herztöne“ mit dem Stethoskop abgehört werden.
Achtung: Bevor dieser vielbeschriebene Versuch durchgeführt wird, unbedingt einen „Vortest“ machen. Falls keine eindeutigen Töne zu hören sind, sollte man Schülern eine Enttäuschung ersparen.

Waldaufbau

Wenn wir durch den Wald gehen, haben wir in der Regel eine horizontale Sichtweise und erkennen so den stockwerkartigen Aufbau des Laubwaldes. Interessant und einprägsam sind aber auch „alternative“ Sichtweisen z. B. aus Käfersicht (Waldbodenfenster) oder ein Blick nach Art des  „Hans-guck-in-die-Luft“ mit Hilfe des „Spiegelgangs“:

Spiegelgang:

Material: Spiegelfliesen (15 cm x 15 cm), z.B. aus dem Baumarkt, evtl. wegen höherer Bruchsicherheit mit Holz einrahmen (Werken); halber Klassensatz.
Durchführung: Die Gruppe bildet eine Schlange, eine Hand auf der Schulter des Vordermanns, eine Hand hält den Spiegel waagrecht knapp unterhalb der Nase. Der erste in der Schlange (z.B. Lehrer) hat keinen Spiegel, er führt die Gruppe sicher durch ein vorher ausgewähltes Waldstück.
Es ist immer wieder frappierend, welche Entdeckungen beim Spiegelgang gemacht werden! Ausprobieren. Und nebenbei macht es auch noch Spaß.
Auswahlkriterien für das Waldstück zum Spiegelgang: am Boden keine Gefahrenstellen, abwechslungsreicher Blick zum Kronendach der Bäume.

 

 

Material: Spiegelfliesen (15 cm x 15 cm), z.B. aus dem Baumarkt, evtl. wegen höherer Bruchsicherheit mit Holz einrahmen (Werken); halber Klassensatz.
Durchführung: Die Gruppe bildet eine Schlange, eine Hand auf der Schulter des Vordermanns, eine Hand hält den Spiegel waagrecht knapp unterhalb der Nase. Der erste in der Schlange (z.B. Lehrer) hat keinen Spiegel, er führt die Gruppe sicher durch ein vorher ausgewähltes Waldstück.
Es ist immer wieder frappierend, welche Entdeckungen beim Spiegelgang gemacht werden! Ausprobieren.  Und nebenbei macht es auch noch Spaß.
Auswahlkriterien für das Waldstück zum Spiegelgang: am Boden keine Gefahrenstellen, abwechslungsreicher Blick zum Kronendach der Bäume.

Waldtiere

Die Beobachtung von Waldtieren in „freier Wildbahn“ wird mit Schülergruppen eher dem Zufall überlassen bleiben. Der Schwerpunkt der Planung wird sich deshalb auf eine „indirekte“ Beobachtung beschränken.

Fraßspuren und Gewölle
Spuren an geknackten Haselnüssen, Fichten- und Tannenzapfen, Verbiss an Jungpflanzen und Sträuchern; Suche nach Gewöllen von Greifvögeln, Zusammensetzung?

Trittsiegel und Spurenlesen
Neuschnee und feuchter Untergrund sind hier wichtige Helfer, deshalb auch für „schlechtes“ Wetter oder die kalte Jahreszeit geeignet.

Tierlaute und Vogelstimmen
Viele Schüler haben Schwierigkeiten Tier-/Vogelstimmen zu erkennen und auseinander zu halten. Dies mag zum einen an mangelnder Übung liegen, zum Teil auch an Überforderung beim Einüben. Wer sich hier versucht, sollte mit nur zwei bis drei verschiedenen Arten beginnen. Eventuell können die Stimmen schon im Klassenraum „vorgeübt“ werden.

Anlegen eines „Pirschpfades“
Vorleistungen: Die Silhouetten von Waldtieren sind aus starkem Karton angefertigt worden (z.B. im Werk- oder Kunstunterricht, evtl. können auch Eltern herangezogen werden). Man kann die Modelle „roh“ verwenden oder mehr oder weniger „originalgetreu“ bemalen lassen.

Die „Waldtiere“ werden nun entlang eines „Pirschpfades“ platziert. Die Pfadlänge richtet sich  nach der Anzahl der Tiere (8 bis 10 Tiere auf ca. 200 m Länge). Der Abstand zum Pfad sollte variieren (je nach „Tiergröße“ und „Tarnung“.
Der „Pirschpfad“ eignet sich gut als
a) Beobachtungsschulung
b) Wettbewerb: Die Schüler werden einzeln in gewissen Zeitabständen auf die Pirsch geschickt. Welche Tiere waren in welcher Abfolge anzutreffen? Gefundene Trittsiegel lassen sich auch „kriminalistisch“ auswerten: Ausgießen und Anfertigen eines Gipsabdrucks.

Artenkenntnis
Eine spielerische Möglichkeit,  die erworbenen Kenntnisse über verschiedene Waldtiere anzuwenden, beschreibt Brigitta Schneeweiss vom „Haus des Waldes“ in Stuttgart wie folgt:

„Jeder Teilnehmer bekommt vom Spielleiter mit einer Wäscheklammer ein Kärtchen mit der Abbildung eines Waldtieres auf den Rücken gesteckt. Er soll nun durch geschickte Fragen an andere Teilnehmer herausfinden, welches Tier er selbst ist. Zulässig sind aber nur Fragen, die sich mit „ja“ oder „nein“ beantworten lassen.
Die Fragen sind zunächst allgemeiner Natur und werden zunehmend differenzierter. Bei diesem Spiel wird neben der Fragestrategie vor allem Wissen über die Systematik, den Lebensraum und die Fertigkeiten eines Tieres verlangt und eingeübt.“
Das beschriebene Spiel kann auch im Klassenzimmer durchgeführt werden. Auch lässt sich der Inhalt auf einfache Weise abändern (z.B. statt Waldtiere „Berufe“ ...)
Vorbereitung: Abbildungen von Waldtieren auf starkes Papier kopieren. Sollen die Kärtchen öfter Verwendung finden, kann man sie folieren.

Leistungen der Tiere und ökologische Zusammenhänge

Nestbau
Futtersuchspiel

Nussräuberspiel
Auch diese Beschreibung stammt aus dem Repertoire des Haus des Waldes. Brigitta Schneeweiss erläutert:
„Aufgabe der Teilnehmer in diesem Spiel ist es, entsprechend dem herbstlichen Verhalten der Eichhörnchen , im umliegenden Terrain Nüsse als Wintervorrat zu verstecken und nach und nach in den Wintermonaten wiederzufinden."
Jedes Eichhörnchen erhält zehn Haselnüsse. Einzelne Teilnehmer sind „Nussräuber“ und erhalten keine Nüsse. Sie dürfen die Eichhörnchen beim Verstecken ihrer Nüsse beobachten (zwei Minuten Zeit). Dann geht es zurück zum Ausgangspunkt.
Der „Spielleiter“ erzählt nun eine jahreszeitlich orientierte Geschichte, in der er die Eichhörnchen gefolgt von den Nussräubern drei- bis viermal losschickt, um aus dem Versteck eine genau definierte Anzahl von Nüssen zu holen. Können Eichhörnchen wie Räuber die Aufgabe nicht erfüllen, scheiden sie aus („verhungern“). Im Laufe des Spiels werden immer mehr Eichhörnchen, aber auch mehr Räuber auf der Strecke bleiben. Am Ende werden die verschiedenen Strategien der Eichhörnchen bzw. der Räuber angesprochen.“

Räuber-Beute-Fangspiel
Anschaulicher als lange theoretische Erklärungen und motivierender für den Einstieg zu den Themen „Nahrungskette“ und „Stoffkreislauf“ ist dieses Modellspiel, das die nötigen Anknüpfungspunkte für die kognitive Aufarbeitung liefert.
Gespielt wird in der Gruppe. Jeder Teilnehmer erhält eine Spielkarte. Eine erkannte Nahrungskette wird durch das Zuwerfen eines Seilstücks sichtbar gemacht. Schließlich wird das Geflecht der Abhängigkeiten sichtbar.
Material: Seilstücke oder ein langes Seil; Karten mit Elementen aus einer Nahrungskette (z.B.: Baum, Blätter, Spinne, Assel, Specht, ...).
Ist noch kein Vorwissen vorhanden, kann das Zuwerfen des Seils auch dann erfolgen, wenn beim Erklären die Sprache auf den entsprechenden Zusammenhang kommt.

Literaturliste für weitere Anregungen...