Aktivitäten zum "Wald erleben":

Barfussraupe
Waldbodenfenster
Weitere Anregungen für alle Sinne
Achtung, wichtig!

 

 

Barfussraupe

Hilfsmittel: Augenbinden, evtl. kurzes Seil, Handtuch
Vorbereitung: Streckenauswahl (ca. 100 m lang, unterschiedlicher Bewuchs/„Bodenbelag“)
Gruppe: pro „Raupe“ max. 10 Personen
Zeitbedarf: pro „Raupe ca. 10 Minuten; anschließend Zeit fürs „Erzählen“ einplanen

Die Barfussraupe besteht aus Schülern, die mit verbundenen Augen einander mit einer Hand an der Schulter halten (oder alternativ mit einer Hand sich an einem Seilstück halten) und von einem sehenden „Kopf“ (Leiter) dirigiert/gelenkt werden. Schuhe und Socken werden vor Beginn ausgezogen und deponiert. Vor dem Versuch ist es zweckmäßig, eine „Proberunde“ vorzuführen, hierbei kann auf das Wesentliche des Experiments (s.u.) hingewiesen werden. Während der Durchführung sollte nicht gesprochen werden: Konzentration auf das „Erfühlen“ der Umgebung.

Gefühle? - geh’ + fühle! - „Geh“fühle!

Erfahrungsschwerpunkte bei der Barfussraupe können z.B. sein:

  • Ertasten verschiedener Oberflächenstrukturen
    (Laub, Nadeln, Moos, Wurzeln, Steine, Sand usw.)
  • Hören: Wind, Blätter rauschen, Äste knacken, Vogelgezwitscher, eigener Atem usw.
  • Riechen: Harz, Blüten, Pilze usw.
  • Temperatur: Fichtenschonung, Waldlichtung;
    Temperatur auf Moos, in der Laubstreu usw.
  • In-mich-hineinhören: was fühle ich, habe ich Angst?

Vor dem Abnehmen der Augenbinden die Schüler so stellen, dass sie freie Sicht haben (weder sich gegenseitig, noch den Leiter anschauen). Jetzt folgt meist ein Staunen und eine Orientierungslosigkeit. Berichten/erzählen lassen. Die Erfahrung zeigt, dass hier selbst Schüler, die sonst sehr zurückhaltend sind, lossprudeln...

Auch die zurückgelegte Entfernung und die benötigte Zeit schätzen lassen (Werte liegen im Allgemeinen viel zu hoch). Den gleichen Weg zurück gehen. Was ist  in Erinnerung geblieben?  Vor Versuchen mit verbundenen Augen ist es immer notwendig ein gewisses Vertrauen zu schaffen, um evtl. vorhandene Ängste abzubauen (z.B. Übung zunächst verkürzt demonstrieren; Freund/-in  bleibt direkt bei der Versuchsperson; führt an der Hand usw.). Solche Übungen sollten grundsätzlich nur auf freiwilliger Basis durchgeführt werden.

Zum Schluss Füße mit mitgebrachtem Handtuch säubern lassen (diese sind aber wahrscheinlich auf dem Waldboden gar nicht schmutzig geworden). Gefühl beim „Wiedereinstieg“ in die Schuhe?

 

Waldbodenfenster

Hilfsmittel: leichte Plane / stärkere Folie ca. 5  x 5 m mit einem zentralen Ausschnitt von ca. 1,6 - 1,8 m;  evt. Lupen
Vorbereitung: sorgfältige Auswahl der Versuchsfläche; Kriterien s.u.;  Laubwald, älterer Bestand
Gruppe: je nach Foliengröße bis zur Klassenstärke
Zeitbedarf: ca. 15 bis 20 Minuten
 
Das Waldbodenfenster, eine reißfeste Folie mit einem zentralen Ausschnitt, lässt sich sehr variabel für die unterschiedlichsten Beobachtungen in Bodennähe (Wald, Wiese, Heide ...) einsetzen.
Gleichzeitig findet ein Gemeinschaftserlebnis statt (Zusammengehörigkeitsgefühl der Gruppe, die gemeinsam die Folie benutzt  - und die Köpfe zusammensteckt).

Ein Vorschlag:
Eine Übung, bei der auch die Augen gebraucht werden, - allerdings aus ungewohnter Perspektive:
Die Plane wird zunächst an der ausgesuchten Stelle von einigen Helfern ausgebreitet. Der Ausschnitt sollte so positioniert werden, dass eine vielfältige Bodenvegetation eingefangen wird; über der Folie sollte ein (lichtes) Kronendach sein.
Die Teilnehmer legen sich bäuchlings auf die Folie, Kopf zum Folienausschnitt, Nase knapp über dem Boden. Zur Ruhe kommen lassen.

Alternative zur Folie:
Steht keine Folie zur Verfügung, bringt jeder Schüler ein (großes) Handtuch o.ä. mit. Die Handtücher werden im Kreis um den Beobachtungsausschnitt angeordnet und dienen so zum einen zum Markieren des Ausschnitts, zum anderen als Schmutzschutz.

Erfahrungsschwerpunkte könnten sein:

Veränderte Perspektive: aus der Sicht eines Käfers...

Was empfinden wir anders? Nur sparsame Impulse geben, Kinder erzählen lassen...

Was siehst du? Zweijähriger Fichtenanflug sieht aus wie ein Wald...

Was riechst du? Modrig, frisch, fruchtig? Haben unterschiedliche Bereiche auch unterschiedliche Düfte?

Was hörst du? Krabbeln in der Streu, Vögel...

Was fühlst du? Hand in die Laubstreu (oben/tiefer, mit und ohne Hinsehen  ertasten / suchen lassen - „begreifen“;  Kleinigkeiten erregen Aufmerksamkeit...)

Entdeckungen? Fragen klären (lassen):  Zersetzungsstadien des Laubs, Feinwurzeln, Keimlinge, Tiere in der Laubstreu (Lupe?)

Nach einiger Beobachtungszeit: umdrehen (vom Bauch auf den Rücken), Blick zum Laubdach; d.h. von einer ungewohnten Perspektive geht es sofort zu einer weiteren ungewohnten.

Was empfindest du?  Eindrücke schildern lassen. Es bietet sich an, hier über die Rolle des Lichts für die Bodenpflanzen zu sprechen (Lebensbedingungen...)

Variante zum Waldbodenfenster:
Ein noch intensiveres Erleben der Welt des Bodens und der Bodentiere wird erreicht, wenn die Teilnehmer locker mit Laub überdeckt werden (ältere Kleidung!) und nur der Kopfbereich frei bleibt. 
Hierzu eignet sich die Zeit des Laubfalls am besten (große Laubmengen und frisches Laub).

Um die vorgestellten Experimente richtig beurteilen und erfassen zu können, ist es unumgänglich, dass sie vorher vom Lehrer „selbst erfahren“ werden.

Auch ein Test in der Familie oder mit Freunden kann wertvolle „Ersterfahrungen“ bieten.


Weitere Anregungen für alle Sinne, kurz gefasst

  • Sehen aus ungewöhnlichen Perspektiven:
    „Käfer“; „Vogel“ (Hochsitz, Fernglas); Vorsicht  bezüglich Sicherheit!
     
  • Sehen in der Dämmerung/bei Nacht
    (evtl. im Schullandheim oder bei Projekttagen einplanen).
     
  • Sehen mit den Augen unterschiedlicher Tiere
    (Infrarotgerät, Fernglas, Rasterbild).

Völlig ungewohnte Perspektiven erhält man auch beim „Spiegelgang“.

  • Hören: ganz allein: Schüler in Abstand von wenigstens 30 Metern zueinander in der Waldfläche verteilen, Augen verbinden (Vertrauen muss gegeben sein, Prinzip der Freiwilligkeit). „In-sich-hinein-hören“ (Herzklopfen?), in die Umgebung hören. Zeitdauer: ca. 10 bis 15 Minuten. Berichten lassen.
  • Hören: des aufsteigenden Safts in Bäumen (Frühjahr!): mit dem Stethoskop lässt sich der „Herzschlag“ bei Bäumen mit relativ glatter Borke (Rotbuche) abhören. Achtung! Vorher testen, ob wirklich etwas zu hören ist...
  • Hören: Wir bestimmen Vögel (ohne sie zu sehen):
    Vogelstimmenexkursion.
  • Hören: Baumtelefon: das Klopfen oder Kratzen mit den Händen an einem Ende eines liegenden Baumstammes ist am anderen Ende deutlich zu hören. Mit diesem Erlebnis kann den Schülern deutlich gemacht werden, wie Vögel, die in Baumhöhlen brüten, den heraufkletternden Marder schon frühzeitig hören und sich in Sicherheit bringen können.
     
  • Tasten: Die Borke unterschiedlicher Waldbäume mit verbundenen Augen ertasten lassen (mit sehender Begleitperson, diese  führt zu unterschiedlichen Bäumen) und anschließend sagen lassen, an welchen Bäumen getastet wurde (lässt sich auch gut als Wettbewerb durchführen).
    Anmerkung: Vorher sollte an ca. 5 Beispielen, die Borkenbeschaffenheit und -zugehörigkeit (Artenkenntnis!) erklärt worden sein.
  • Tasten: Wir identifizieren Gegenstände aus dem Wald. Die Durchführung kann entweder mit verbundenen Augen erfolgen oder mit Hilfe einer „black box“. Damit ist hier eine Tastbox gemeint (z.B. eine Schachtel, abgedeckt mit einem Tuch, so dass die darin befindlichen Gegenstände zwar ertastet, aber nicht gesehen werden können. Das Ertasten von allerlei Gegenständen ist  auch gut als Wettbewerb geeignet. Die „black box“ kann natürlich auch gut im Klassenzimmer eingesetzt werden und bietet einen Anreiz für Schüler aller Alterstufen.
     
  • Wärme: Waldinneres (z.B. Fichtenschonung) im Vergleich zu einer Waldlichtung (sensorisches Empfinden und Messung)
    Isolierende Wirkung von unterschiedlichen Naturmaterialien: Schachteln mit Federn, Tierfellen, Moos, lockerem Laub..., Hand jeweils eine Weile hineinhalten. Erfahrung?
     
  • Riechen und Schmecken: Vorsicht bei Geschmacksproben! Distanz zum Boden beachten (z.B. wegen Fuchsbandwurm), Giftigkeit?
    Zu den Experimenten nur frische Pflanzenteile in kleinen Mengen verwenden; für Riechproben Pflanzenteile zwischen den Fingern zerreiben. Welche Pflanzen kennst du bald mit geschlossenen Augen?
  • Schmecken: Himbeeren, Erdbeeren, Nüsse, Hagebutten, Holunder, Bucheckern... (Die Proben können auch gut mit „Nicht-Wald-Früchten“ kombiniert werden: Mandarinen, Bananen...)
     

Die meisten dieser Vorschläge lassen sich mit etwas Fantasie zu mehr spielerischen Elementen oder eher zur Wissensvermittlung abwandeln.

Achtung! Wichtig!

Auf die Giftigkeit mancher Waldpflanzen hinweisen und Kennübungen durchführen:

 

Eibe
Pfaffenhütchen
Heckenkirsche
Aronstab
Tollkirsche
Einbeere
Nachtschattengewächse
Maiglöckchen
Eisenhut
Fingerhut
Liguster
Seidelbast
Grüner Knollenblätterpilz
Fliegenpilz
usw.